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Biebesheim

Depressionen sind auch im Alter gut behandelbar

Depressionen sind auch im Alter gut behandelbar
Rund 70 Besucher nahmen am Mittwochnachmittag (15.03.2017) in der Stadthalle Gernsheim an einer Vortragsveranstaltung des Bündnisses gegen Depression im Kreis Groß-Gerau und der interkommunalen Beratungsstelle für ältere Menschen im Südkreis - Gernsheim, Biebesheim am Rhein, Stockstadt am Rhein zum Thema "Depression im Alter - Ist der Zug abgefahren?" teil.
PD Dr. Harald Scherk, Ärztlicher Direktor des Vitos Klinikum Riedstadt, berichtete, dass 5,6 % der Gesamtbevölkerung an einer Depression erkrankt sind. Bei den über 60-Jährigen, die in einem Privathaushalt leben, sind 2 - 13 Prozent betroffen und in Alten- und Pflegeheimen 6 - 16 Prozent. Depressionen im Alter seien häufig schwer zu erkennen, da Betroffene ihr Leid nicht zeigen, ein rein körperliches Krankheitsverständnis haben und oft an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden. Depressive Verstimmungen, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Verzweiflung, Schlafstörungen, Appetitminderung, Suizidalität können Anzeichen für eine Depression sein. Wenn diese und andere Symptome mindestens 2 Wochen und darüber hinaus anhalten, sollte man sich untersuchen lassen. Dr. Harald Scherk wies auch auf die unterschiedlichen Symptome bei einer Depression und einer Demenz (Typ Alzheimer) hin. Eine Depression entwickelt sich beispielsweise innerhalb von wenigen Wochen, eine Demenz dagegen schleichend über Monate.
Bis zu 15 Prozent der Patienten mit einer schweren Depression sterben durch Suizid. In Deutschland ist Selbstmord die häufigste Todesursache. Im Jahr 2013 starben laut des Bundesamtes für Statistik 10.076 Menschen durch Suizid. Die Selbstmordgefahr durch Depression im Alter ist sehr hoch. „Am gefährdetsten sind depressive, alleinstehende, alte Männer“.
Abschließend stellte Dr. Harald Scherk verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei depressiven Erkrankungen vor. Dazu gehört die medikamentöse Behandlung, vor allem bei schweren Depressionen, deren Wirkung erst nach ca. 2 - 4 Wochen eintritt. Sie verursachen in den ersten Wochen meist nur mittel bis leichte Nebenwirkungen und führen zu keiner Persönlichkeitsveränderung. Es bestehe keine Suchtgefahr. Darüber hinaus gab es ausführliche Informationen zur Psycho-, Schlafentzugs-, Licht- und Soziotherapie.
Anschließend gab Frau Silke Rehfeld-Eichinger, Sozialarbeiterin in der Gerontopsychiatrie des Vitos Klinikums Riedstadt, Tipps zum Umgang mit depressiven Menschen. Zu vermeiden sei die Aufforderung, fröhlich zu sein und vor allem "sich zusammenzureißen“. Es sei auch nicht hilfreich, die Betroffenen in "Kuraufenthalte" zu schicken. Wichtig sei es, die Symptome einer Depression zu erklären. Dazu gehört u.a. auch Suizidgedanken anzusprechen. Darüber hinaus sei es wichtig, Zuversicht und Vertrauen in die Genesung zu schaffen, den Behandlungsplan zu erklären, Bewegung zu fördern, den Betroffenen schrittweise zu aktivieren und auch auf seine eigenen Grenzen zu achten. Den Angehörigen empfahl die Sozialarbeiterin, die Depression als Erkrankung zu akzeptieren, sich über die Erkrankung zu informieren, einen Arzt zu Rate zu ziehen und sich selbst Unterstützung zu suchen.
Zum Schluss informierte Frau Christine Kohl, Sozialarbeiterin in der Vitos gerontospsychiatrischen Tagesklinik in Groß-Gerau, ausführlich darüber, wohin man sich bei einer Depression im Alter im Kreis Groß-Gerau wenden kann, um sich beraten und behandeln zu lassen sowie weitere Unterstützung zu erhalten. Erste Anlaufstellen zur Beratung sind zum Beispiel die Beratungs- und Koordinationsstellen für Senioren des Kreises Groß-Gerau. Bei der Schöfferstadt Gernsheim sind die Ansprechpartnerinnen Frau Astrid Engelke, Büro für Soziales, Rentenberatung und Seniorenarbeit (Telefon 06258 / 108 632) sowie Frau Anja Borusewitsch, interkommunale Beratungsstelle für ältere Menschen im Südkreis - Gernsheim, Biebesheim am Rhein, Stockstadt am Rhein (Telefon 06258 / 108 634). Weitere Anlaufstellen sind die allgemeinen Lebensberatungsstellen (z.B. Caritas, Diakonisches Werk), die Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen (z.B. Sozialpsychiatrischer Verein Kreis Groß-Gerau e.V.) sowie der sozialpsychiatrische Dienst des Kreisgesundheitsamtes. Des Weiteren kann man sich auch direkt an Frau Anke Creachcadec vom Bündnis gegen Depression wenden (Telefon 06105 / 966773). Ziel des Bündnisses gegen Depression ist eine bessere Versorgung depressiver Menschen. Dies soll erreicht werden über das 4-Ebenen-Aktionsprogramm. Dazu gehören Öffentlichkeitsarbeit, die Zusammenarbeit mit Multiplikatoren, wie z.B. Altenpflegekräften, Lehrern, Polizei, Entwicklung von Angeboten für Betroffene und Angehörige sowie die Kooperation mit den Hausärzten. Darüber hinaus stellte die Sozialarbeiterin ambulante (z.B. Vitos gerontopsychiatrische Ambulanzen Riedstadt, Groß-Gerau, Rüsselsheim), teilstationäre (z.B. Vitos Gerontopsychiatrische Tagesklinik) und stationäre Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Vitos Philippshospital Riedstadt- Gerontopsychiatrische Abteilung) sowie weitere Unterstützungsmöglichkeiten (z.B. Gruppenangebote für Betroffene (Groß-Gerau) und Angehörige (Biebesheim / Rüsselsheim) im Kreis Groß-Gerau vor.
Burger, Bürgermeister


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