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Wadgasser Rundschau


Wadgassen

Heidis grüne Ecke

Heidis grüne Ecke


Liebe Garten- und Naturfreunde,
dieses Gartenjahr ist wirklich ein Jahr der Extreme. Frühjahr und Frühsommer, sowie anfänglich auch unser Hochsommer waren geprägt von z. T. mehr als ergiebigen Regenfällen. Im August (bis vorige Woche) stöhnten wir dann unter einer oft schwülen Hitze, die so manchem Herz- und Kreislaufkranken nicht wenig zu schaffen machte, und die uns die Arbeit im Garten am besten auf die frühen Morgenstunden verlegen ließ. Das war dann auch die Zeit, in der Gießkanne und Gartenschlauch häufig im Einsatz waren.
Wann ist jetzt eigentlich Herbst? Mittlerweile stürzt uns da ein Vielfaches an Begriffen zumindest ins Nachdenkliche. Es gibt den meteorologischen, den klimatologischen, den astronomischen und den kalendarischen Herbstanfang! Der meteorologische und er klimatologische Herbstanfang sind in Bedeutung und Zeitpunkt identisch. Sie fallen auf den 1. 9.
Der astronomische und der kalendarische Herbstanfang sind ebenfalls synonym. Sie fallen auf die Tag- und Nachtgleiche, dieses Jahr am 22. 9.
Und wir, liebe Garten- und Naturfreunde, richten uns nach den Erscheinungen in der Natur und da spricht man dann vom phänologischen Früh-, Voll- und Spätherbst. Der Frühherbst ist gekennzeichnet von den reifen Fruchtdolden des Holunders und den so vitaminreichen roten, reifen Kornelkirschen. Diese beiden Früchte können wir schon eine Weile beernten (Der Zünsler hat uns da bei der Berichterstattung einen Strich durch die Rechnung gemacht!). Sie haben sicher auch schon die reifen Samenstände an Disteln, blühende Herbstzeitlose oder die zartrosa Knospen der später kräftig pink blühenden Fetthennen entdeckt.
All diese Erscheinungen stehen für den Frühherbst!


Der Frühherbst ist eine gute Zeit. Sanftes Licht prägt die Landschaften, die Kraft der Sonne lässt langsam nach, und die Abende werden kühler. Es ist auch die Zeit der Brombeerernte in Feld und Wald und die des Pilze Sammelns in unseren Wäldern. Die ersten Zugvögel machen sich auch schon auf den Weg in wärmere Gefilde.
In unseren Gärten bereiten wir bereits das nächste Gartenjahr vor, indem wir die Frühlingszwiebelblüher in die Erde bringen. Oder möchten Sie im neuen Jahr Pfingstrosen in Ihrem Garten bewundern können, so ist jetzt die richtige und einzige Pflanzzeit dafür. Auch alle anderen früh blühenden Stauden können jetzt gesetzt werden. Für ihre Teilung und Verjüngung ist der Frühherbst ebenfalls der ideale Zeitpunkt. Wenn Sie Ihre Obstbäume abgeerntet haben, dann decken Sie nach der Ernte die Bodenscheiben mit Kompost oder anderen organischen Düngern ab. Diese Mulchschicht unterdrückt ungewollte Wildkräuter, schützt den Boden, bietet ideale Bedingungen für die Micro-Organismen und führt neue Nährstoffe zu. Abgeräumte Beete in Ihren Nutzgärten sollten Sie nicht brach liegen lassen – säen Sie, jetzt in einer der 3 Herbstjahreszeiten, einen Gründünger wie z. B. die Phacelia (blaublühend) oder den Gelbsenf (gelbblühend). Beide sind schnell keimend und Boden verbessernd und zudem sehr dekorativ.
Zur Gründüngung werde ich Ihnen zu einem anderen Zeitpunkt noch viele hoch interessante Aspekte darlegen. Heute jedoch möchte ich Ihnen wesentliches zum Gelbsenf erzählen, denn speziell diese Gründüngung kann auch Nachteile mit sich bringen, und die sollten Sie kennen…lesen Sie selbst: Die langen Pfahlwurzeln des Gelbsenfs „graben“ sich in den Boden ein und lockern ihn damit tiefgründig. Da Gelbsenf sehr schnell wachsende und sich ausbreitende Blätter hat, bewahrt er den Boden damit vor Erosion und Austrocknung. Die im Gelbsenf vorhandenen Senföle unterbinden die Verbreitung von Rüben-Nematoden. Durch die Nährstoffbindung werden der Ertrag und die Qualität an Folgekulturen wie Gemüse und Blumen langfristig wesentlich gesteigert.
ABER: Gelbsenf bitte nicht als Vorfrucht von Kohlgewächsen verwenden!
Senf, Kohl, Raps und viele andere Kulturpflanzen (aber auch Wildkräuter wie Hirtentäschel, Hederich oder Ackersenf) sind Kreuzblütengewächse. Sie alle sind Wirtspflanzen für dieselben Krankheiten wie z.B. die Kohlhernie (od. Verticillium =Pilzerkrankung und Phoma = Schwärzepilz = Schimmelpilz)!
In dem Bericht “Die Fruchtfolge im Auge behalten” des DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) Eifel in der Rheinischen Bauernzeitung wurde u. a. folgender Sachverhalt veröffentlicht: „Bei Bonituren++, die wir aktuell zum Auftreten der Kohlfliege durchführten, stellten wir auf fast allen Rapsflächen Befall mit Kohlhernie fest – mehrfach ein erschreckend starker Befall.“
Im weiteren Verlauf dieses Berichts wurde dringend angeraten dem Befall durch Artenwechsel/Fruchtfolgewechsel entgegen zu wirken, denn die Kohlhernie ist chemisch nicht zu bekämpfen! Man kann ihr nur vorbeugend durch einen entsprechenden zeitlichen Anbauabstand der anfälligen Kulturen (einschließlich der Zwischenfrüchte) und regelmäßigen Kalkgaben begegnen.
Ein weiterer Gesichtspunkt war folgender: Sobald die Kohlhernie verstärkt vorhanden ist, dauert es Jahre bis sich der Befall (auch beim Anbau von Nichtwirtspflanzen) wieder auf ein “Normalmaß” reduziert. Besonders gefährdet sind Böden mit niedrigem pH-Wert. Resümee: Gelbsenf ausschließlich auf Flächen, auf die keine Kreuzblütengewächse gepflanzt werden, als Gründüngung aussäen!
++(Bonitur, Bonitierung ist die fachgerechte, qualitative Beurteilung, Abschätzung, Einstufung landwirtschaftlicher pflanzlicher Betrachtungsobjekte)
Haben Sie eine gute Zeit

Ihre
Heidemarie Traut


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