Zeitung suchen


Sie sind hier: LINUS WITTICH Medien KG > Produkte > Online-Lesen > Asslar - Die Woche


Asslar

1/2 LU Von der Keilschrift zum Binär-Code

Von der Keilschrift zum Binär-Code
Dieter Lehnhardt aus Reiskirchen, leidenschaftlicher Büchersammler, referierte im Rahmen der Vortragsreihe des Vereins für Heimatgeschichte Werdorf im Hohenlohe-Saal des Heimatmuseums über die Entwicklung der Schrift. "Vor der Entwicklung der Schrift war nur die mündliche Überlieferung von Wissensinhalten möglich, wobei psychologische, soziale und kulturelle Faktoren eine große Rolle spielen", so Lehnhardt. Weltweit wurden von jeher überlebenswichtige Informationen, aber auch geheimes Wissen, Rituale, Mythen, Legenden und Sagen mündlich weitergegeben, die einen ähnlichen
Kern aufweisen, in ihren Details aber beträchtlich voneinander abweichen können - ähnlich dem Kinderspiel "stille Post". Dabei existieren auch in unserer heutigen medienüberfluteten Zeit noch Kulturen, die Traditionen und Wissen nur mündlich weitergeben. Ein gutes Beispiel sind die Aborigines in Australien, bei denen das mündliche Zeugnis sogar im Vordergrund steht, obwohl sie in engem Kontakt mit einer schreibenden Kultur stehen. Die wortwörtliche Weitergabe an nachfolgende Generationen trägt dazu bei, eigene Kultur und Werte zu bewahren, und charakterisiert zugleich eine Besonderheit dieser Kultur. Die Erfindung der Schrift allerdings ilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen zuverlässig über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung über einen langen Zeitraum ermöglichen kann. Alle bekannten frühen Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Maya, Olmeken) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht.
Lehnhardt konnte mit seinem immensen Wissen nicht nur über die Entwicklung der Schrift von der Keilschrift bis zum Binär-Code, mit dem Computer funktionieren, deutlich machen, was Schriftzeichen für die Menschheit bedeuten. Ob Schriftrollen oder Wachstafeln, Papyros oder Pergament, Handschrift oder Druck, jeder Schritt bedeutete nicht nur für die Wissenschaft sondern auch gesellschaftlich große Veränderungen. Hätte man den Kopisten in Klöstern, die per Hand berühmte Bücher vervielfältigten, gezeigt, wie leicht man heute per Smartphone und Internet Wissen übermitteln kann, wären diese wohl sicher überwältigt. Die rund 30 Zuhörer konnten auch erfahren, dass die Chinesen den Buchdruck erfanden, den Gutenberg optimierte, oder das 1384 die erste Papiermühle in Deutschland entstand. Auch die Brüder Grimm sorgten mit der "Erfindung" das Wörterbuchs für einen historischen Meilenstein und auch Martin Luther und seine Übersetzung der Bibel, fanden Eingang in das Referat, das schlussendlich auch gespannt darauf macht, wie es weiter geht.
Werkstoffingenieur Dieter Lehnhardt wurde schon in den 1970-er Jahren von einem Verwandten mit der Leidenschaft für Bücher infiziert. Auch wenn er sein Hobby nicht wissenschaftlich betreibt, so hat er sich doch sehr gut in die Materie eingearbeitet, so dass seine Vorträge für Laien gut verständlich sind. Zu seinen Sammlerstücken gehört eine Inkunabel (Wiegendruck: mit beweglichen Lettern gedruckte Bücher) mit 96 Holzschnitten aus dem Jahr 1491 sowie Erstveröffentlichungen von Schriften von Martin Luther. Zudem beherbergt seine hauseigene Bibliothek knapp 4000 Exemplaren - davon viele Werke der Klassik, wie z.B. die seltene Erstausgabe Goethes „Götz von Berlichingen“. Zudem sammelt er auch Kunstbücher. Einen kleinen Teil davon hatte er mit nach Werdorf gebracht, wo sich das Publikum abschließend diese Schätze anschaute.


Diese Zeitung stammt von unserem Verlagsstandort:

info(at)wittich-herbstein.de

Zum Kontaktformular >
Mehr Informationen zum Verlag >