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Asslar

Whisky ist eine Wissenschaft

Whisky ist eine Wissenschaft
Wie viele Freunde, Kenner, Liebhaber oder Genießer eines guten Whiskys am Samstagabend bei der 8. Werdorfer Museums- und Whiskynacht schlussendlich dabei waren, kann keiner schätzen und ist eigentlich auch egal: Die faszinierende Stimmung in und um das Heimatmuseum im Schloss war wieder unglaublich und das Sortiment mit mehr als 60 Abfüllungen des malzigen Gebräus mehr als umfangreich. Von weither angereist oder aus der Nachbarkommune wegen des voraussehbaren Parkplatzmangels gleich per pedes gekommen - mehrere Hundert waren es sicher, die vorher ihre Fahrer ausgeguckt oder ein Taxi bestellt hatten. Von Gastgeber- wie Besucherseite war also alles Bestens vorbereitet, doch in der ersten Stunde glaubte so mancher fast an ein Schlossgespenst. Immer wieder ging in manchen Zimmern die Lichter aus - die Sicherung tat gute Arbeit, doch warum? Der Grund war ein banaler, ein Geist konnte dann schlussendlich doch ausgeschlossen und in aller Ruhe Whisky genossen, Guiness getrunken und auch dem kulinarischen Angebot mit "fish and chips" und mehr zugesprochen werden. Nebenbei konnten auch noch die Museumsräume angeschaut werden und beim ständigen auf und ab im Treppenhaus traf man Freunde und Bekannte, mit denen man später im Schlosshof noch verweilen konnte. Ganz entgegen anderer Museen, in denen man nur vorsichtig mit Filzpantoffeln unterwegs sein kann, hatten die Werdorfer wieder alle Türen offen und wie in einem alten schottischen Schloss waren die Gäste herzlich willkommen und wurden im Tante Emma-Laden, zwischen Wäsche und Webstühlen, in der Sonderausstellung unter dem Dach, in der gemütlichen Bauernküche und ganz urig in der Schmiede wurde serviert, beraten und informiert - keiner wurde inmitten der Whisky-Vielfalt allein gelassen. Wie immer wurde nach Regionen aufgeteilt in die "Speyside und Lowlands", "Islay und die Inseln", die "Highlands und Campbeltown" sowie Irland und Exoten und mit Glen Els stellte sich - auch wie immer - eine Destillerie vor. Hier staunte mancher, denn: Hier handelt es sich um eine Deutsche Whisky-Brennerei, die ihre Heimat im Harz hat. "Viele probieren sich im Whiskybrennen, verwenden aber die Brennblase, die auch für Obstbrände verwendet wird und das schmeckt man", so der Fachmann. Wer denkt schon, dass ein metallenes Gefäß Geschmackstoffe annimmt und auch wieder abgibt? Auf jeden Fall sollte man mit einem milden Whisky beim probieren beginnen, denn - so konnte man im Tante Emma-Laden erfahren im Laufe des abends stumpft die Zunge ab und die feinen Geschmacks-Nuancen werden nicht mehr so wahr genommen. Wer gleich mit einem rauchigen Whisky beginnt, kann sich den Geschmack in der Tat verderben und braucht eine Weile, bis der Rauchgeschmack aus dem Mund verschwindet. Man konnte mit offenen Augen und Ohren auch bei der 8. Ausführung dieser Veranstaltung wieder eine Menge lernen. Whisky kann zum Beispiel auch eine gute Geldanlage sein. Mancher wird nur in limitierter Auflage gebrannt und mit der Zeit immer teurer. Aus einer 80 Euro-Flasche kann da leicht eine für 200 Euro werden. "In Zeiten mit geringen Zinsen, kann man sich da schon überlegen, ob man sich statt einer Geldanlage bei der Bank nicht lieber zwei Whiskyfässer in den Keller legt", so der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte, Alexander Kleber. Etwas ganz Besonderes präsentierten die Whiskybrenner aus dem Harz: Ringe aus Whiskyfässern. Bis in die Nacht wurde an Gläsern geschnüffelt, ein Tropfen auf der Zunge zergehen lassen und sich über ein neues Geschmackserlebnis gefreut. Schließlich gibt es jeden Whisky nur ein mal und niemand kann genau die gleichen Bedingungen liefern, um auch nur einen Hauch des gleichen Geschmacks zu erzeugen. Deshalb lohnt es sich auch, jedes Jahr wieder nach Werdorf zu kommen. Allein das Ambiente im Schloss ist schon eine tolle Sache - eine ähnliche Whisky-Messe gibt es sicher nirgends.


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