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Asslar - Die Woche


Asslar

1/ 1 Grenzwanderung lehrt Historie

Werner Schmidt und Manfred Killmer (v.l.) hatten der Wandergruppe eine Menge zu erzählen.

Grenzwanderung lehrt Historie
Zur "Grenzwanderung mit historischem Hintergrund" hatte der Verein "Dorfgemeinschaft Bermoll" eingeladen und der Vorsitzende Manfred Killmer freute sich, am Haus des Friedens mehr als 30 Teilnehmer aller Altersgruppen - auch aus der Region - willkommen zu heißen. Er stellte "Wanderführer" Werner Schmidt aus Ehringshausen vor, der sich als gebürtiger Bermoller als profunder Orts- und Geschichtskenner zeigte, und der Gruppe Einiges über seine alte Heimat erzählen konnte, mit der er seit Kindertagen eng verwurzelt ist. So konnte er im Rahmen der rund dreistündigen Wanderung bei bestem Wanderwetter entlang der nord- bis südöstlichen Gemarkungsgrenze zu verschiedenen Flurstücken kleine Anekdoten aus der Jugendzeit oder historische Begebenheiten berichten. Der Rundgang führte zunächst auf die höchste Erhebung, den Buchenberg (390 m), im Volksmund auch „Remmich“ genannt. Unterwegs konnte man die Namen der Flurstücke auf roten Täfelchen nachlesen, die an gut sichtbaren Punkten angebracht sind. Die Initiative, so die Flurnamen in der Aßlarer Gemarkung auch für nachfolgende Generationen im Gedächtnis zu bewahren, geht auf den früheren Heimatforscher Gerhard Fischer vom Verein für Heimatgeschichte 1980 Werdorf zurück, an den auch bei anderen Stationen des Weges für seine Verdienste um die Erforschung der Lokalgeschichte gedacht wurde. Nachdem der Buchenberg und die Kreisstraße überquert waren, erreichte die Wandergruppe die Missedell, wo bis 1970 eine markante Grenzbuche stand, die bei Straßenbauarbeiten leider gefällt werden musste, wie Werner Schmidt erläuterte. Ein kleiner Abstecher führte zu den Bermoller Hügelgräbern, die zum Teil schon um die Jahrhundertwende entdeckt und erforscht wurden. Die Grabfunde der Urnenfelderzeit und auch Gebrauchskeramik der Bandkeramischen Kultur aus dem Neolithikum sind seit langer Zeit im Museum "Hohe Schule" Herborn ausgestellt. Die Funde aus der Jungsteinzeit, evtl. auch Ackerterrassen im heutigen Waldgebiet belegen, dass Bermoll schon früh zu einer der wenigen Höhensiedlungen in der Region zählte. Killmer und Schmidt hoben noch einmal das Engagement des Heimatforschers Fischer hervor, der neben der Instandsetzung eines Steinpackungsgrabes der Hügelgräber auch einen nahen Verhüttungsplatz mit Schlackenresten eines Rennofens erforscht und freigelegt hatte, den er als weitere Station eines historischen Rundwanderweges markierte. Zu den weiteren Stationen gehörte die ehemalige Ochsenwiese des Ortes, auf der bis 1962 das Futter für den Gemeindebullen gemacht wurde. Am "Eidstrauch" wurde von Grenzstreitigkeiten berichtet, bei denen die Großaltenstädter den Bermollern zur Seite standen und den nicht gegebenen Lohn für die Hilfe kurzerhand "eingemeindeten". Etwa auf halber Wegstrecke, an der Stelle des früheren forstlichen Pflanzengartens, wartete auf die Wanderer eine kleine Zwischenmahlzeit. Danach ging es weiter zum Wehrberg, der im Ort "Wirrwich" genannt wird und wohl früher in Kriegswirren als Rückzugsgebiet mit Verschanzungsmöglichkeiten diente - in der Nachkriegszeit ein beliebtes "Wintersportgebiet". Über den Kälberberg, wo die Islandpferdefreunde ihr Reitgelände haben, ging es weiter zum Ziel, der Schutzhütte der Feuerwehr Bermoll. Hier konnten sich die "Grenzgänger" vom Marsch ein wenig erholen, bei einem kühlen Getränk und Imbiss die Eindrücke der vergangenen Stunden und weiteren Anekdoten der Lokalgeschichte Revue passieren lassen.


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