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Asslar

Vortragsreihe im Museum beendet

Vortragsreihe im Museum beendet
Erhard Peusch, Ehrenvorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte 1980 Werdorf, hieß am Sonntag im voll besetzten Hohenlohe Saal des Aßlarer Heimatmuseums die Zuhörer des letzten Beitrags des Vortragsreihe "70 Jahre Flucht und Vertreibung" zur gleichnamigen Sonderausstellung willkommen. "Mehr als 300 Interessierte haben den Ausführungen unserer Zeitzeugen gelauscht und wir konnten so manche Wissenslücke schließen", so Peusch. Dieses Mal waren es Vorstandsmitglied Günter Hennig und seine Schwester Hannelore Schaaf, die von ihrer Flucht aus Ostpreußen berichteten. "Am 1. August 1944 wurden wir - Mutter und vier Kinder - aus Ebenrode/ Stallupönen, 140 Kilometer östlich von Königsberg gelegen, evakuiert", so Hannelore Schaaf. Die Front war nahe an die deutsche Grenze heran gerückt und die Frauen, Kinder und alten Leute sollten vorüber gehend weiter nach Westen gebracht werden. Mit dem Zug ging es nach Bartenstein, südlich von Königsberg gelegen, wo die Familie bis November wohnte. Leider konnten sie nicht mehr zurück in den Heimatort und wurden noch weiter nach Westen gebracht. "Wir fuhren über Thorn, Guben, Cottbus und Dresden nach Schirgiswalde an der Spree in der Oberlausitz", erinnerte sich Günter Hennig an die Odysee, die er als Achtjähriger erlebte. Dort blieben die Hennigs über den Winter und erlebten die Flucht vieler Schlesier mit, die zu Fuß mit Handwagen vorbei zogen. Ende März 1945 mussten sie Sachsen verlassen und fuhren mit einem Personenzug voller Flüchtlinge in die Tschechoslowakei, vorbei an Dresden, Bad Schandau und Prag nach Kaplitz in Südböhmen. Mit Ochsenfuhrwerken ging es weiter nach Buchers in 1000 Meter Höhe nahe der österreichischen Grenze. Der Ort wurde gegen Ende des Krieges von Russen besezt und nach der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai, ging es schon wieder weiter. Dieses Mal nach Österreich in ein Flüchtlingslager in Freistadt im Unteren Mühlenviertel, nördlich von Linz. Nach einer Weile machten sich Hennigs auf eigene Faust zu Fuß mit Handwagen und Gepäck auf den Weg in das Dorf Obergeschwandt, wo sie zu teils schlimmen Bedingungen fast ein Jahr bei einem Bauern untergebracht waren. Ohne ein Lebenszeichen vom Vater und dem Rest der Familie, ging die Flucht nach Westen - mit dem was man tragen konnte - weiter. Zunächst mit Hilfe zweier Einheimischer, geegn Bezahlung, bis Linz und mit der Eisenbahn weiter nach Aigen/ Schlägel. In Grenznähe wurde bei einer Familie übernachtet und gegen Morgen brachte sie ein Mann durch den Wald über die Grenze, die vom Mühlbach gekennzeichnet wurde. Breitenberg im Bayrischen Wald war das erste Ziel und nach ein paar Tagen ging es weiter nach Schalding/ Passau in ein großes Flüchtlingslager, wo Entlausung und Verpflegung erfolgten. Regensburg war dann der Startpunkt am 15. Mai für den Transportzug ins hessische Wetzlar, von wo aus Hennigs nach Aßlar in den Saal der Gastwirtschaft Muskat kamen und am 20. Mai dann endlich in ihrer neuen Heimat Werdorf ankamen. Im Dezember 1946 kam dann auch der Vater aus der Gefangenschaft und die Familie konnte Fuß fassen. Der Vater hatte schnell einen Arbeitsplatz in seinem Beruf, die Kinder besuchten die Schule, wuchsen auf und gehören heute fest zur dörflichen Gemeinschaft.


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